Manipulationen an Alarmanlagen verhindern

Die Alarmanlagen der Anbieter Egardia und Lupus electronics haben in meinen Tests immer recht gut abgeschnitten und zeigen, was im Segment der Haussicherung mittlerweile schon alles möglich ist, ohne auf teure und installationsaufwendige Profisysteme zu setzen. Einen deutlichen Nachteil muss ich aber auch zum Ärger der Hersteller immer wieder ausweisen. Es geht um den Manipulationsschutz. Viel musste ich diskutieren und bekam sogar Boykott-Drohungen, weil ich diesen als potentielles Sicherheitsrisiko bezeichnete. Doch fakt ist: Solche Anlagen lassen sich auch mit wenige Fachkenntnissen problemlos außer Gefecht setzen. Wenn der Nutzer das nicht bedenkt, wird unter Umständen sogar eine Signalisierung eines Einbruchs komplett ausbleiben – Fatal!

Egardia austricksen

Keine 20 Sekunden und damit weniger als häufig die Verzögerungszeit benötigte ich im Test, um eine Egardia Alarmanlage der ersten Generation* so zu manipulieren, dass keine Alarmauslösung erfolgte. Nehmen wir einmal an, ein Nutzer installiert diese Anlage so, dass der Türsensor (zwecks Nutzung des enthaltenen Keypads) mit Verzögerung reagiert, so dass noch genug Zeit zum Entschärfen ist. Gleichzeitig wurde die Anlage so eingestellt, dass die Basis beim Öffnen in der Verzögerung zu piepen beginnt. Standardmäßig ist das sogar so. Ein potentieller Einbrecher würde dadurch schon mal den Weg zur Anlage auf dem Silbertablett präsentiert bekommen. Befindet sich nun bis dorthin kein weiterer Sensor (oder nur einer, der ebenfalls in die Verzögerung eingebunden ist), brauch der Dieb nur die Stromleitung und das Netzwerk kappen. Gleichzeitig noch schnell denn eingebauten Akku mittels von außen zugänglichem Schalter, der nur durch eine kleine Plastikabdeckung geschützt ist mit einem kleinen Schraubendreher deaktivieren – das war‘s. Die Anlage würde keinen Alarm auslösen und auch keine Alarmmeldung an die Zentrale von Egardia absetzen. Ein Anruf oder eine Meldung auf dem Handy bliebe aus! Mehr noch: Würde der Einbrecher schnell die Lage der anderen Sensoren checken, die Haustür wieder schließen und dann die Anlage wieder in den Betriebszustand versetzen…ja, dann würde sich diese verhalten wie vor der Öffnung der Tür. Alles in Ordnung Zuhause! In aller Ruhe könnte nun nach Wertsachen gesucht werden… Zugegeben, das Szenario ist ein wenig überspitzt, schließlich gibt es im alten Set noch einen zweiten Türsensor und einen Bewegungsmelder. Aber Fakt ist dennoch: Wird nicht einer der wertvollen (und teuren) Sensoren absurderweise verwendet, um das System zu schützen, wären Manipulationen selbst für wenig versierte Diebe problemlos möglich.

Daraus gelernt?

Man mag meinen, der Hersteller würde solche Hinweise ernst nehmen, zumal der Test der Nachfolgeanlage nach einigem Hin- und Her doch wieder an mich herangetragen wurde. Doch weit gefehlt. Auch die Version 2.0 des Alarmsystems* behält diesen wunden Punkt. Zwar gibt es neue Sensoren und ein neues Keypad mit besserer Verschlüsselung, aber die Zentrale ist angreifbar wie eh und je. Und damit der Stressfaktor beim Einbrecher nicht zu hoch steigt, hat man den Schalter zum Abschalten des Akkus jetzt noch besser erreichbar nach außen gelegt. Statt wie zuvor braucht man nun nicht einmal mehr einen Schraubendreher, sondern der Schalter unter der Plastikabdeckung ist einfach mit dem Finger erreichbar.

Nur mit einer Plastikabdeckung „versteckt“ befindet sich der Schalter zur Deaktivierung des eingebauten Akkus

Die Plastikabdeckung lässt sich mit dem Finger entfernen. Der Schalter kann bei der neuen Basis von Egardia ebenfalls mit dem bloßen Finger betätigt werden

Lupusec XT2 Plus

Lupusec XT2 Plus mit einigen Komponenten

Doch damit steht Egardia nicht alleine. Mitbewerber Lupus electronics, der mit der XT2 Plus* auf ein technisch sehr ähnliches Gerät aufbaut, nahm bisher den Manipulationsschutz ebenfalls nicht ganz so ernst. Immerhin: Viele Sensoren oder auch das Keypad für kontaktlose Aktivierung verfügen über einen Sabotagekontakt. Das Herz des Systems in Form der Basisstation aber wiederum ist diesbezüglich völlig ungeschützt. Eine Manipulation wie bei Egardia ist in gleicher Form auch bei der XT2 Plus möglich. Der Batterieschalter ist hier sogar noch ein wenig besser zugänglich. Das bei abgeschaltetem Akku keine Signalisierung erfolgt, ist ja klar. Idealerweise nimmt der Dieb auch gleich noch die GSM-Karte aus dem System. Auch diese ist griffig und gut sichbar von außen eingesteckt. Damit leicht entfernbar. Warum nicht zumindest der Akkuschalter und auch der SIM-Slot im Gerät verschwinden. Das ganze noch über einen integrierten Öffnungsmelder und schon wäre eine Manipulation deutlich schwieriger. Immerhin: Lupus hat mit der XT3 inzwischen eine nach EN 50131 Grad 2 zertifizierte Anlage im Angebot. Dort gibt es keinen von außen zugänglichen Schalter und SIM-Slot mehr. Zudem kann die Anlage fest an der Wand verschraubt werden, verfügt über einen Sabotagekontakt und die Kabelzuführung von hinten wird deutliche manipulationssicherer. So stelle ich mir eine gut gesicherte Alarmanlage für den Heimanwender vor. Zwar immer noch nicht vergleichbar mit echten Profisystemen, aber deutlich besser geschützt. Aber auch im Einstiegssegment ist es gar nicht so schwer, die Basis zumindest etwas zu sichern. Das beweist unter anderem der Hersteller TapHome mit seiner GSM-Alarmanlage, wie hier nachzulesen ist.

Nicht als Abschreckung für Käufer gedacht

Möglicherweise werden diese Zeilen nicht mit Freudensprüngen bei den Herstellern aufgenommen. Durchaus verständlich. Aber: Wenn es um das Thema Sicherheit geht, müssen solche Dinge auch angesprochen werden. Was nützt eine Alarmanlage, wenn sich am Ende der Nutzer nur in falscher Sicherheit wiegt oder das System nicht so einsetzt, dass auch ein guter Schutz der Basis gewährleistet ist. Meine Ausführungen sollen nur unterstreichen, wie sicher auch ein Schutz der Überwachungsanlage ist. Daher unser Tipp: Wenn sie sich für eine der genannten Alarmsysteme entscheiden, nutzen Sie bitte einen der mitgelieferten Sensoren, um den Weg zur Zentrale so zu sichern, dass eine Manipulation schon an einer Auslösung scheitert. Also beispielsweise durch einen Infrarotsensor, der den Raum überwacht und ohne Eingangsverzögerung reagiert. Für Leser mit etwas Experimentierfreude empfehle ich zudem meinen Artikel über die Installation eines Honeypots für Einbrecher. Sie wissen nicht, was das ist? Ein Grund mehr, einen Blick auf diesen Blogbeitrag zu werfen…

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Bildquellen

  • Egardia_V1: Bildrechte beim Autor
  • Egardia_Rueck1: Bildrechte beim Autor
  • Egardia_Schalter_offen: Bildrechte beim Autor
  • : Bildrechte beim Autor
  • burglar-1678883_1280: © Public Domain/Pixabay/fbhk

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